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 || Nr.357 || Datum: 09:30:46 31.10.2011 ||

Spurensuche gegen das Vergessen

Bewegende Augenblicke in der Mörfelder Altstadt

Der Förderverein jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau hatte zu einem Rundgang durch Mörfelden eingeladen. Dabei ging es um das Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger.

Von Karlheinz Niess

Mörfelden-Walldorf. Erfreulich viel Interesse: Hans-Jürgen
                      Vorndran wurde von rund 50 Bürgern auf dem
                      Rundgang durch Mörfelden begleitet. Fotos: NiessErfreulich viel Interesse: Hans-Jürgen Vorndran wurde von rund 50 Bürgern auf dem Rundgang durch Mörfelden begleitet. Fotos: Niess Es waren zwölf Jahre, die Deutschland, Europa, die Welt veränderten. Gleich einem unheilvollen Alptraum wütete der Faschismus, zerstörte Leben, Länder und letztlich auch die Menschlichkeit. Millionen wurden Opfer dieses Wahnsinns, unter ihnen nahezu alle Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland.

"Als ich 1972 anfing zu recherchieren, habe ich wenig gefunden", erklärte Rudi Hechler beim Stadtrundgang durch Mörfelden. Auch beinahe 30 Jahre nach Kriegsende war von einer Aufarbeitung der jüngeren Geschichte nicht viel zu merken. Doch seit einigen Jahren tut sich etwas in der Doppelstadt. Es wird etwas gegen das Vergessen unternommen. So hatte jetzt Hans-Jürgen Vorndran, Vorstandsmitglied des Fördervereins jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau, zu einem Rundgang durch die Mörfelder Altstadt eingeladen.

Und es kamen viele Teilnehmer, selbst für Hans-Jürgen Vorndran überraschend und erfreulich viele, rund 50 Menschen, quer durch alle Altersgruppen, für die es sich durchaus lohnte. Denn auch wenn nach den Worten Vorndrans vor 1933 nur wenige Juden in Mörfelden lebten, so konnten in den vergangenen Jahrzehnten ihre Spuren wieder sichtbar gemacht werden. Die Stolpersteine, jene kleinen in den Boden eingelassenen Messingplatten, erinnern an die Orte, wo sie lebten, an ihre Namen und an ihre Schicksale.


Sieben Schicksale

"Die Idee zu diesem Rundgang entstand in Gesprächen mit Helmut Doll", erklärte Vorndran. Der Beauftragte für Erwachsenenbildung der Pfarrei Walldorf gehört zu dem Kreis derer, die sich für solche Aktionen einsetzen. Sieben Stationen sollten besucht werden, sieben Schicksale wieder in die Erinnerung der Menschen zurückkehren.

"Wir müssen dies auch an unsere Kinder und Enkelkinder weitergeben", sagte Rudi Hechler zu Beginn. Auch Bürgermeister Heinz-Peter Becker fand die richtigen Worte. "Denjenigen zu zeigen, die nichts aus der Geschichte gelernt haben, dass sie eine Minderheit sind", sei die Aufgabe, sagte Becker.

Der Gedenkstein am Rathausplatz stand am Anfang des Rundgangs. Die Geschichte der kleinen Mörfelder Synagoge stand dort im Mittelpunkt. Sie wurde 1829 errichtet, diente mehr als 100 Jahre als Gebetsstätte und überstand sogar die Pogromnacht im November 1938.


Drei Schwestern

Altes Bild präsentiert: Dietmar Treber mit
                      seiner Großmutter.Altes Bild präsentiert: Dietmar Treber mit seiner Großmutter."Die jüdische Gemeinde hatte sie 1937 für 12 000 Reichsmarkt verkauft", erklärte Rudi Hechler. Doch die "Verschönerung" des Rathausplatzes in den 1970er Jahren überstand die Synagoge nicht. Ein einziges Foto von dem kleinen Gebäude fand Rudi Hechler bei seinen Recherchen.

Noch betroffener machten jedoch jene Geschichten, in denen es um die Menschen ging, die vor langer Zeit dort lebten. Wie bei den Geschwistern Reiß. Die drei Schwestern lebten mit ihrer Mutter in der Zwerggasse 3. Die Mutter, Zerlinde Reiß, starb im Juni 1940. Die Schwestern Rosa, Bertha und Minna versuchten danach, das Haus zu verkaufen, um das Geld für eine Flucht zusammen zu bekommen. Damit der Erlös nicht von den Nazis konfisziert werden konnte, baten sie den potenziellen Käufer, ihnen das Geld unter der Hand zu geben, wie Hans-Jürgen Vorndran aus seinem Buch zitierte. Sie wurden denunziert, eine Flucht war danach unmöglich. Es folgten Zwangsarbeit und Deportation, dann die Ermordung der drei Schwestern im Ghetto Piaski.

Dietmar Treber hatte einen sehr persönlichen Beitrag zur Geschichte der drei Schwestern: eine Tischdecke. "Dies war das Abschiedsgeschenk an meine Oma", erklärte er und hielt dabei die wunderschön bestickte Decke hoch. Seine Großmutter und die drei jüdischen Frauen waren Nachbarn gewesen und seit jener Zeit wird die Tischdecke immer an die weiblichen Nachkommen weitergegeben. "Mittlerweile gehört sie meiner Tochter", sagte Treber.

Es waren bewegende Stationen in der Mörfelder Altstadt, die besucht wurden. Und letztlich ging es nicht nur um die Vergangenheit und die Menschen, die damals jener Unmenschlichkeit zum Opfer fielen. Auch heute, im 21. Jahrhundert, gibt es auf der Welt Kriege und Genozide, werden Menschen misshandelt und getötet, weil sie anders beten, anders aussehen, anders sprechen.


 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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