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Dateityp16 Stolpersteine in Crumstadt Seite drucken zurück zur vorherigen Seite
 || Nr.677 || Datum: 19:50:45 31.01.2016 ||
Riedstadt 14.10.2015

Flucht nach Steinwürfen gegen die Tochter

Stolpersteine werden am Donnerstag auch für die jüdische Großfamilie Bruchfeld (oben: Leo Friedrich, Johanna verheiratete Hirsch, Leopold, Lina verh. Fuchs, Jakob Fuchs, Max, unten: Rosa geb. Liebmann, Else Hirsch verh. Levy, Abraham) verlegt.<br />
 	Foto: alemania-judaica

Stolpersteine werden am Donnerstag auch für die jüdische Großfamilie Bruchfeld (oben: Leo Friedrich, Johanna verheiratete Hirsch, Leopold, Lina verh. Fuchs, Jakob Fuchs, Max, unten: Rosa geb. Liebmann, Else Hirsch verh. Levy, Abraham) verlegt.
Foto: alemania-judaica







ERINNERUNG Bei der vierten Stolpersteinverlegung wird in Crumstadt 16 ehemaliger jüdischer Bürger gedacht

CRUMSTADT ( - wig). 16 Stolpersteine sollen am Donnerstag (15.) an sechs verschiedenen Orten in Crumstadt zur Erinnerung an jüdische Bürger verlegt werden.

An 16 ehemalige jüdische Bürger aus Crumstadt, die in der Nazizeit vertrieben oder ermordert wurden, soll bei einer weiteren Stolpersteinverlegung am Donnerstag (15.) erinnert werden. Eine Gedenkfeier aus diesem Anlass beginnt um 12.30 Uhr in der Nibelungenstraße.

Dort wird laut der Ankündigung der Stadt an Apollononia Riebel erinnert. Sie hatte als Pflegerin im Philippshospital gearbeitet und wurde aufgrund von Überlastung durch Familien- und Hausarbeit – sie hatte zwei Töchter – selbst psychisch krank. Stabile Phasen wechselten sich laut den Recherchen mit Klinikaufenthalten ab. Nachdem Hitler die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ befohlen hatte, wurde Riebel aus der Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Eichberg und von dort nach Hadamar gebracht, wo sie „unerwartet infolge Wanderrose mit anschließender Blutvergiftung verstorben“ sei. Es wird vermutet, dass sie bereits am Ankunftstag mit anderen Patienten in der Gaskammer ermordet wurde.

Gleich vor drei Häusern in der Friedrich-Ebert-Straße werden weitere Gedenksteine verlegt: Vor der Nummer 28, der heutigen Volksbankfiliale, zur Erinnerung an Ludwig und Rose Bruchfeld, die dort einen Laden für Mehl, Getreide, Futtermittel und Spezereien betrieben. Sie mussten bereits 1935 ihr Anwesen verkaufen und ins jüdische Viertel nach Frankfurt ziehen, von wo aus sie nach Santiago de Chile auswanderten.

Leo Friedrich und Berta Bruchfeld wohnten mit Tochter Lore in der Friedrich-Ebert-Straße 31, wo heute die Apotheke ist. Dort handelten sie mit Eisenwaren, Maschinen und Porzellan. Im April 1937 flüchteten zunächst die Eheleute nach Montevideo in Uruguay, Tochter Lore folgte einen Monat später dorthin, wo sie später den ebenfalls aus Crumstadt stammenden Martin Levi heiratete.

Unweit entfernt, in der Hausnummer 40 lebten Leopold und Rosa Bruchfeld, die mit Dünger und Getreide handelten und im April 1937 ebenfalls nach Montevideo flüchteten.

Ferdinand Levi war als Viehhändler und Metzger in Crumstadt bekannt und heiratete Berta, geborene Westerfeld aus Stockstadt. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Martin, Julius und Elsbeth und wohnte in der Modaustraße 3. Der älteste Sohn Martin wanderte bereits mit 16 Jahren gemeinsam mit dem Bruder seiner Mutter nach Montevideo aus. Sein Vater, Ferdinand Levi, wollte jedoch seine Heimat Crumstadt nicht verlassen. Erst nachdem er tätlich angegriffen worden war und man seine Tochter Elsbeth auf dem Schulweg mit Steinen beworfen hatte, konnte Berta ihren Ehemann davon überzeugen, Deutschland endgültig den Rücken zu kehren. So folgte die restliche Familie ihrem Sohn Martin acht Monate später nach. Die Familie blieb in Uruguay dem „Crumschter Dialekt“ immer verbunden. Julius Levi besuchte 1963 erstmals wieder Crumstadt. Julius und sein Bruder Martin fanden in den 1970er Jahren außerdem neue Kontakte und Freundschaften mit Riedstädter Bürgern. Elsbeth hingegen reiste nie mehr nach Deutschland und lebt noch heute mit 85 Jahren in Montevideo.

Den Abschluss der Gedenkfeier bildet die Verlegung der Erinnerungssteine für Abraham und Rosa Bruchfeld III in der Rathausstraße 19. Abraham Bruchfeld hatte eine Eisenwarenhandlung und wurde deshalb in Crumstadt nur „Eisern“ genannt. Die Bruchfelds hatten fünf Kinder. Tochter Johanna zog nach dem Tod ihrer Mutter 1937 mit Leopold Hirsch aus Büttelborn und Tochter Elsi nach Crumstadt. 1938 zogen sie nach Darmstadt, wo Abraham Bruchfeld starb. Johanne und ihr Mann wurden 1943 in Auschwitz ermordert, Elsi gelang die Flucht nach Amerika.

Die Verlegeaktion geht schließlich bei Kaffee und Kuchen im evangelischen Gemeindehaus zu Ende.
 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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..anzeigen nächste Verlegung : 15.10.2015

Pressebericht im Groß-Gerauer Echo vom 20.08.2015

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