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 || Nr.127 || Datum: 21:33:32 30.11.2009 ||

Mörfelden-Walldorf (ohl). An den Eichen könnte in den Jahren der Nazi-Herrschaft eine Jüdin gelebt haben, von der die städtische Geschichtsschreibung bisher nichts wusste. Darüber berichtete der ehemalige Erste Stadtrat Hans-Jürgen Vorndran in einem Zwischenbericht zum Projekt der Verlegung von Stolpersteinen gegen das Vergessen im Kulturausschuss des Stadtparlaments.

In einem geheimen Schreiben an den Landrat vom 16. Februar 1944 berichtet der damalige Mörfelder Bürgermeister von „der Volljüdin Maria ‚Sara’ Adler, geb. Hellmann, geb. 27.05.1887 in Augsburg, verh. mit dem Steuerinspektor i.R. Franz Josef Adler“. Mit „Sara“ als Zweitnamen wurden die jüdischen Deutschen zur Nazizeit bezeichnet, was sie ähnlich wie der Gelbe Stern an der Jacke als Juden kenntlich machen und so diskriminieren sollte. Von Maria Adler ist nur bekannt, dass sie mit ihrem Mann An den Eichen gelebt haben soll. Bemerkenswert ist auch, dass sie im Februar 1944 überhaupt noch in Mörfelden leben konnte, während die anderen Juden aus Mörfelden und Walldorf bereits deportiert worden waren.

Hans-Jürgen Vorndran, der Vorstandsmitglied beim Verein für Jüdische Kultur und Geschichte im Kreis Groß-Gerau ist, nutzte den Zwischenbericht, um nochmals auf die zahlreichen Veranstaltungen hinzuweisen, die es in diesem Frühjahr im Rahmen des Stolpersteine-Projekts geben wird. Eröffnet wird die Veranstaltungs-Reihe am 16. März mit einem Vortrag von Katharina Stengel über „Ausgrenzung, Ausplünderung und Vertreibung der Juden aus Mörfelden und Walldorf“. Beginn ist um 16 Uhr im Rathaus Walldorf. An diesem Nachmittag werden auch die Urkunden für die Übernahme von ideellen Stolperstein-Patenschaften überreicht. Die 17 ideellen Patenschaften wurden unabhängig von der Finanzierung eines bestimmten Stolpersteins übernommen und helfen bei der Finanzierung des Gesamtprojekts. Sie kommen zu den 50 Patenschaften hinzu, die direkt an einen bestimmten Stolperstein gebunden sind. Mit weiteren Vorträgen und einer Ausstellung werden Schülerinnen und Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule im April über persönliche Schicksale von jüdischen Mörfeldern und Walldorfern berichten. Der vorläufige Abschluss und Höhepunkt wird dann am 19. April die Verlegung von 35 weiteren Stolpersteinen durch den Künstler und Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig sein.

Für Ende des Jahres ist dann der Druck der vierten und endgültigen Fassung der Dokumentation zu den Schicksalen der aus Mörfelden und Walldorf verschleppten Jüdinnen und Juden geplant. Bis dahin will Hans-Jürgen Vorndran mehr über die bisher unbekannte Maria Adler herausgefunden haben.


 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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