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 || Nr.240 || Datum: 19:34:02 30.09.2010 ||
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Der Grabstein stammt aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Er ist ausgelegt für ein Ehepaar. In der einen Hälfte des Doppelgrabes liegt ein Verstorbener. Die andere Hälfte aber blieb für immer leer. Der zweite Ehepartner, bedeutet das in diesem Fall, starb nicht zu Hause im Bett, sondern floh vor den Nazis aus dem heimischen Südhessen oder wurde deportiert. Die Todesursache war mit hoher Wahrscheinlichkeit der mörderische Antisemitismus der Nationalsozialisten. ,,15 solche Gräber finden Sie hier", erzählt Ulf Kluck während eines öffentlichen Rundgangs über den jüdischen Friedhof.

Der Fünfundsechzigjährige hat in seiner Zeit als Leiter der Groß-Gerauer Friedhofsverwaltung den jüdischen Friedhof 30 Jahre lang betreut. Nun teilt er sein immenses Wissen über diesen Ort und seine Geschichte mit über 50 Besuchern, die eine der wenigen Gelegenheiten nutzten, den von einer zwei Meter hohen Mauer umgebenen Friedhof zu besuchen.

Eine Anfrage des Fotoclubs Mörfelden-Walldorf hatten Kluck und Hans-Jürgen Vorndran, Organisator der Verlegung von Stolpersteinen in Mörfelden-Walldorf und wie Kluck Mitglied im Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau, genutzt, um eine allgemein zugängliche Führung anzubieten.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg habe man in Groß-Gerau wie überall sonst in Deutschland das eigene jüdische Erbe am liebsten vergessen. Schließlich seien alle Spuren jüdischen Lebens mit der Judenvernichtung der Nazis verknüpft, mit Schuld, Ignoranz oder heimlicher Zustimmung. ,,Wir hatten keinerlei Unterlagen zu diesem Friedhof", sagt Kluck über die Zeit, als er begann, sich um den jüdischen Friedhof zu kümmern.1978 übernahm er als Leiter der Groß-Gerauer Friedhofsverwaltung die Pflege auch des jüdischen Friedhofs. Damals begann er, sich intensiv mit der Geschichte des 1841 eingerichteten und über einen Hektar großen Grundstücks neben dem Freischwimmbad zu beschäftigen.

Ein Vergessen durfte es nicht geben, fanden er und viele andere Menschen im Kreis Groß-Gerau. Sie recherchierten zu den Spuren des jüdischen Lebens und gründeten den Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur.

Kluck könnte vieles berichten über den Friedhof. Was die Inschriften auf den Gräbern bedeuten zum Beispiel oder die verschiedenen religiösen Zeichen, oder warum im Lauf der Zeit immer häufiger statt rein hebräischer Inschriften zweisprachige Inschriften in die Steine geprägt wurden. Und über seine Briefwechsel und Kontakte zu Nachkommen der in Groß-Gerau begrabenen Juden. Doch an diesem winterlich kalten Tag beschränkt er sich in seinem Vortrag auf die Geschichte.

In Groß-Gerau hatten Juden aus den meisten Städten des Kreises Groß-Gerau, aber auch aus Griesheim, Langen oder Egelsbach ihre Toten begraben. Vor 1841 sei der Friedhof an der Stelle gewesen, an der heute das Parkdeck der Sparkasse steht. In den dreißiger Jahren sei dieses Gelände im Stadtkern enteignet worden, um eine Erweiterung des Landratsamts zu ermöglichen. Eine Schikane der Verwaltung gegen die Juden sei diese Enteignung gewesen, macht Kluck klar. ,,Die Menschen aus der jüdischen Gemeinde haben das, was an Gebeinen noch auszumachen war, ausgegraben und auf dem neuen Friedhof am Schwimmbad in einem großen Gemeinschaftsgrab bestattet." Hintergrund sei, dass jüdische Gräber stets für die Ewigkeit angelegt sind. Sie dürften aus religiösen Gründen niemals eingeebnet werden.

Deshalb auch herrscht auf dem jüdischen Friedhof eine fast mystische Atmosphäre. Die Gräber sind von Efeu bedeckt, die aus Sandstein gehauenen Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert werden wie die Bäume vom Efeu umrankt, die Inschriften sind teils nur noch schwer zu entziffern. Doch nicht alle Grabsteine sind verwittert. Vor allem die neueren entlang der westlichen, an das Schwimmbad grenzenden Mauer, sind noch gut erhalten.

Zwei Gräber wurden nach dem Ende der Nazizeit angelegt. Eines gehöre dem einzigen nach Groß-Gerau zurückgekehrten Juden Ludwig Goldberger, der den Friedhof lange gepflegt habe, berichtet Ulf Kluck. ,,Der hat hier Stein für Stein wieder aufgerichtet", denn der Friedhof sei während der Nazizeit mehrmals verwüstet worden.

 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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..anzeigen 07.03.10: Besuch jüdischer Friedhof in Gr.-Gerau

Ankündigung: Groß-Gerauer Echo vom 25.02.2010

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