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 || Nr.538 || Datum: 19:53:59 28.02.2014 ||

Zwischen Melancholie und Stolz

Jubiläum – Seit 25 Jahren engagiert sich der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis wider das Vergessen

Bei der akademischen Feier des Fördervereins für Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau wurden am Sonntag im Landratsamt Angelika Schleindl (links) und Horst Richter (Mitte) zu Ehrenmitgliedern ernannt. Rechts im Bild Vorsitzender Walter Ullrich.  Foto: Robert Heiler
Bei der akademischen Feier des Fördervereins für Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau wurden am Sonntag im Landratsamt Angelika Schleindl (links) und Horst Richter (Mitte) zu Ehrenmitgliedern ernannt. Rechts im Bild Vorsitzender Walter Ullrich.  Foto: Robert Heiler

Wider das Vergessen engagiert sich der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau seit 25 Jahren. Jiddische Lieder umrahmten Ehrungen, Ansprachen und Würdigung des Vereins bei einer Feierstunde im Landratsamt.
KREIS GROSS-GERAU.

Ein herzliches „Masel tov“ zum 25. Geburtstag des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau stimmte Gitarrist Dimitry Reznik am Sonntagmorgen an: Der Musiker umrahmte mit dem Violinisten Daniel Kempin, Mitglied der jüdischen Gemeinde Frankfurt, die Feierstunde im Büchnersaal des Landratsamts. Kommunalpolitiker, Vertreter der Kirchen sowie jüdischer Nachbargemeinden waren zur akademischen Feier des Fördervereins gekommen.

„Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“, zitierte der ehemalige Landrat Willi Blodt aus seinem Vorwort zu einem Buch, das beispielhafte Geschichtsaufarbeitung leistet: „Verschwundene Nachbarn“ lautet der Titel. Das Buch wurde unter Blodts Regie Ende der achtziger Jahre erstellt. Angelika Schleindl hat sich auf Spurensuche jüdischer Familien im Kreis gemacht, ist in die USA und nach Tel Aviv gereist, um die Schicksale aufzuzeichnen. Dafür wurde ihr nun vom Förderverein die Ehrenmitgliedschaft übertragen. Die zweite Würdigung galt dem einstigen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, Horst Richter.

„Wer glaubt, all die Arbeit des Fördervereins inklusive des Wiederaufbaus der Erfelder Synagoge habe nichts gekostet, der irrt “, sagte Walter Ulrich, Vorsitzender des Fördervereins. Er erinnerte an das baufällige Gotteshaus, das, unterstützt von der Stadt Riedstadt, erworben und hergerichtet wurde. Horst Richter sei hervorragender finanzieller Berater und Beistand gewesen, dankte Ulrich.

„Im Erinnern liegt ein großes Geheimnis“, so hatte er zuvor die Feier eröffnet. „25 Jahre Förderverein jüdischer Geschichte – ein Anlass, der melancholisch stimmen kann, uns aber auch stolz macht, diese Arbeit geleistet zu haben und leisten zu können. Erinnern, Gedenken, wissenschaftliche Forschung, Begegnungen mit Nachfahren, all dies trägt bei, dass wir unsere Wurzeln finden“, führte Walter Ulrich aus. Ein Vierteljahrhundert ehrenamtliche Arbeit aufzudröseln, darauf verzichtete er, meinte lakonisch „angesichts dessen ließe sich Stunden reden.“ Ulrich unterstrich, dass die Arbeit des Fördervereins nicht zu Ende sei, dass es gelte, „Generationen nach uns“ die Erinnerung weiterzugeben.

Die Dringlichkeit dessen unterstrichen auch die Folgeredner. Daniel Neumann, Geschäftsführer des Landesverbands jüdischer Gemeinden, blickte zurück auf das Schicksal der einst 700 000 Juden in Deutschland, deren Leib und Leben, deren Kultur und Religion durch den Naziterror ab 1933 vernichtet wurden. Er wies zugleich auf den weitverbreiteten latenten Antisemitismus hin, der bis heute bestehe. „Laut Umfrage kann jeder fünfte Deutsche Juden nicht ausstehen.“ Neumann schilderte den langsamen Neuaufbau jüdischer Gemeinden nach dem Krieg, wobei die meisten überlebenden Juden ihrem einstigen Heimatland den Rücken gekehrt hatten. Wer blieb, hatte keinen leichten Stand – dies beziehe auch die Juden ein, die nach dem Mauerfall der Ex-DDR aus Ostblockstaaten nach Deutschland kamen, so Neumann. „Jüdisches Gemeindeleben knüpft an tausendjährige Tradition an, ist aber auch heute weit entfernt von seiner Blüte vor 1933“, sagte er.

Jiddische Lieder lockerten den Reigen der Ansprachen auf, luden zum Mitsingen ein. In Vertretung von Landrat Thomas Will unterstrich der Erste Beigeordnete Walter Astheimer die von jeher enge Verbindung des Kreises zum Förderverein. „Auch 69 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz stehen wir in einer Schuld, die nicht verjähren kann“, so Astheimer. Er mahnte in Hinblick auf rechtsextreme Umtriebe mit Berthold Brecht: „Der Schoß, aus dem dies kroch, ist fruchtbar noch.“

Nach einem Grußwort von Monika Hölscher, Vertreterin des Gedenkreferats des Landes Hessen, betonte auch Renate Dreesen vom Arbeitskreis der ehemaligen Synagoge Pfungstadt, dass „zunehmend rechte Gewalt“ zu beklagen sei. „Jude“ sei wieder ein Schimpfwort auf Schulhöfen – dem zu wehren, leiste der Förderverein Kreis Groß-Gerau im Bund mit vielen anderen unverzichtbare Arbeit. 




 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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