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DateitypWilhelm Hammann - Dokumentation Seite drucken zurück zur vorherigen Seite
 || Nr.63 || Datum: 11:33:45 31.01.2005 ||

Wilhelm Hammann (* 25. Februar 1897 in Biebesheim, † 25. Juli 1955) war ein hessischer Landtagsabgeordneter und Kommunalpolitiker der KPD. Während seiner Haft im KZ Buchenwald rettete er 159 jüdischen Kindern das Leben. Dafür erhielt er im Jahre 1984 den israelischen Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" .

Biographie

Hammann war vor 1933 Lehrer und Abgeordneter der KPD im hessischen Landtag. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er im April 1933 verhaftet und kam in das Zuchthaus Rockenberg. Am 27. August 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Er bekam dort die Häftlings-Nr. 1224 und war Blockältester im Kinderblock 8. In dieser Funktion rettete Hammann 159 jüdischen Kindern das Leben. Am 11. April 1945 konnte er die Kinder in die Freiheit führen.

Zeichnung von Ernst Jazdzewski : Blockführer Hammann schützt jüdische Kinder

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Im Juli 1945 wählte ihn eine Versammlung von Bürgermeistern, fast ausschließlich Sozialdemokraten, zum ersten Landrat des Landkreises Groß-Gerau in Südhessen und am 17. Oktober 1945 erhielt er seine Ernennungsurkunde.

Mit dem Beginn des kalten Krieges versuchte die US-Militärregierung den Kommunisten Hammann aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen. Sein Vorgehen gegen einen US-Offizier, der für das Krankenhaus bestimmte Lebensmittel für den eigenen Gebrauch beschlagnahmte, wurde als Anlaß für eine Verhaftung genommen. Hammann wurde in dieser Sache im Februar 1946 von einem amerikanischen Militärgericht freigesprochen. Möglicherweise war seine öffentliche Forderung an die Militärregierung zur Entfernung von ehemaligen Nationalsozialisten aus der Opel-Betriebsleitung der eigentliche Grund für seine Verhaftung.

Die Landratsstelle in Groß Gerau wurde während seiner Haft mit einem Sozialdemokraten neu besetzt. Nach seiner Freilassung erneuerte Hammann seine Forderung und wurde am 22. März 1946 durch die US-Militärpolizei erneut verhaftet und in das US-Internierungslager in Darmstadt, später nach Kornwestheim eingeliefert und ihm wurde vorgeworfen, in Buchenwald Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.

Bis zum Mai 1947 blieb er in Haft und wurde in das Internierungslager Dachau gebracht, in dem vorwiegend nationalsozialistische Verbrecher festsaßen

Nach Protesten von Antifaschisten, wie Dr. Werner Hilpert (stellvertretender Ministerpräsident von Hessen , CDU, und ehemaliger Buchenwald-Häftling ), Oskar Müller (Arbeitsminister, KPD, ehemals Häftling in Dachau) sowie Emil Carlebach, Mitbegründer der Frankfurter Rundschau und ehemaliger Buchenwaldhäftling gelang nach hartnäckigen Verhandlungen mit den Amerikanern seine Freilassung. Auch die sowjetische Militärbehörde sprach Hammann ihre Anerkennung und ihren Dank aus, weil er im Block 8 vor allem sowjetische Häftlinge im Jugendalter betreut hatte.

Hilpert als stellvertretender Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender bürgte für ihn gegenüber den Amerikanern. Trotz der eindeutigen Beweise für seine Unschuld bedurfte es des eindringlichen Protestes vieler Antifaschisten aus vielen europäischen Ländern, die als Zeugen zum Buchenwald-Prozeß nach Dachau gekommen waren, um Wilhelm Hammann zu rehabilitieren. Die Anklagebehörde bescheinigte ihm plötzlich seine "vollkommene antifaschistische Einstellung und seine Unbescholtenheit".

Später war Hammann als Kreissekretär der KPD im Kreis Groß-Gerau tätig. Er verstarb am 25. Juli 1955 durch einen Unfall.

Im März 1984 wurde Wilhelm Hammann in Israel für die Rettung der jüdischen Kinder in Buchenwald hoch geehrt. In der "Allee der Gerechten" von Yad Vashem trägt jeder Baum den Namen eines Menschen, der mithalf, Juden vor der Vernichtung zu bewahren. "Gerechter unter den Völkern" lautet der Ehrentitel der hier Verewigten. Es ist die höchste Auszeichnung, die Israel zu vergeben hat. Einer der jüngsten Bäume trägt den Namen von Wilhelm Hammann.

Ein 'Wilhelm Hamman Preis' wird vom Förderverein für Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau vergeben. Weiterhin sind ist eine Schule in Erfurt und Straßen in Büttelborn (Kreis Groß-Gerau), Worfelden (Kreis Groß-Gerau) nach dem Retter der Kinder von Buchenwald benannt.

Literatur

Hoffmann, Rosemarie: Das Schicksal der Kinder und Jugendlichen des Konzentrationslagers Buchenwald. Reflexionen in der Literatur. In: Bamberger, Edgar; Ehmann, Annegret (Hrsg.): Kinder und Jugendliche als Opfer des Holocaust. Dokumentation einer internationalen Tagung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee Konferenz 12. Bis 14. Dezember 1994 (Schriftenreihe des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma, Band 4). Heidelberg 1995. S 145 – 163


 
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