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 || Nr.667 || Datum: 20:01:06 30.09.2015 ||
Groß-Gerau 09.07.2015

"Wenn wir nur hingesehen hätten"

Von lot

GROSS-GERAU - Stolpersteine – Aktion zum Andenken an die jüdischen Familien Hugo und Heinrich Hirsch in Groß-Gerau

Schüler der Luise-Büchner-Schule erinnerten anlässlich der Stolperstein-Verlegungen am Mittwoch in Groß-Gerau an die Geschichte der jüdischen Familien Hirsch.  Foto: Alexander Heimann

Schüler der Luise-Büchner-Schule erinnerten anlässlich der Stolperstein-Verlegungen am Mittwoch in Groß-Gerau an die Geschichte der jüdischen Familien Hirsch.  Foto: Alexander Heimann


Die fünfte Stolpersteinverlegung in der Kreisstadt galt am





Die fünfte Stolpersteinverlegung in der Kreisstadt galt am Mittwochvormittag den jüdischen Familien Hugo und Heinrich Hirsch, die bis 1936 eine Essig- und Likörfabrik betrieben. Gunter Demnig klopfte für sie sieben Steine in der Frankfurter Straße 36 und der August-Bebel-Straße 7 fest.

„Beseelt vom Gedanken, endlich Verantwortung zu übernehmen, begleitet eine Träne unser Gedenken. Nicht um Erinnerung, als etwas, das wir hinter uns lassen, sondern um Gedenken geht es“, sagte Walter Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis, am Mittwoch.

Zum fünften Mal seit Beginn der Stolpersteinverlegungen in der Kreisstadt Ende 2012 kamen Vertreter des Evangelischen Dekanats Groß-Gerau, der jüdischen Gemeinde Frankfurt, des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und des Vereins für jüdische Geschichte zusammen, um an das Schicksal jüdischer Mitbürger in der Nazi-Diktatur zu erinnern.

Insgesamt 154 Menschen wurden bislang als jüdische Opfer des Naziterrors identifiziert. Sie erfahren mit der Stolpersteinverlegung durch Gunter Demnig posthum Würdigung. Diesmal klopfte der Kölner Bildhauer die mit Messing versehenen Steine für sieben Mitglieder der Familien Heinrich und Hugo Hirsch vor den Häusern Frankfurter Straße 36 und August-Bebel-Straße 7 fest.

„Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte Jochen Auer (SPD), Vertreter des Magistrats. Er führte aus, er habe als Bub in der Schützenstraße gewohnt und werde den Geruch der Kindheit nie vergessen: „Ging ich zur Schule, so lag dieser leichte Essiggeruch in der Luft und das Gebäude Hirsch in der Frankfurter Straße sah genauso aus wie heute.“

Auch sozial und kulturell war die Familie in Groß-Gerau engagiert und hoch angesehen. Doch wie schmal der Grat zwischen Integration und Ausgrenzung sein kann, weist die Nazi-Diktatur erschreckend auf. Jochen Auer mahnte daher: „Die Erinnerung an damals gilt dem Heute und Morgen.“ Er rief auf, Schmierereien oder Aufkleber auf Stolpersteinen unverzüglich der Stadt zu melden. Auch Walter Ullrich appellierte zu verantwortlichem Handeln, indem man „ein Läppchen zur Hand nimmt, um die Messingplatten zu polieren.“

Der ehemalige Dekan Tankred Bühler überreichte Urkunden an die Paten der Stolpersteine für Hugo und Thekla Hirsch sowie für deren Kinder Anna Clara, Victoria Luise und Emilie Helene Hirsch und für das Ehepaar Heinrich und Karoline Hirsch.

Am Europakreisel, der mittig zwischen den Erinnerungsorten liegt, hatten sich vor dem Gang zu den Gebäuden, in denen bis 1933 sowie 1939 die jüdischen Mitbürger der einst renommierten Essig-und Likörfabrik ansässig waren, neben den offiziellen Vertretern Bürger sowie Lehrer und Schüler der Luise-Büchner-Schule (LBS) versammelt. Die jungen Leute dokumentierten ihre tiefgehende Auseinandersetzung mit den Lebensläufen der auf brutalste Weise heimatlos Gewordenen und seelisch Zerstörten.

Da wurden arglos formulierte Postkarten vorgelesen, die von Ausflügen ins Grüne erzählen – wenige Jahre später lag das Lebensglück in Trümmern. Gezwungen, die Fabrik zu verkaufen, flohen Hugo und Thekla Hirsch zunächst nach Wiesbaden – später nach Brasilien. „Sie fassten nie wieder Fuß, wurden im Haushalt von Theklas Bruder ernährt, zerbrochen von den erlittenen Gräueln“, so eine Schülerin.

Heinrich und Karoline Hirsch wurden „bis ins Schlafzimmer verfolgt“, zogen 1933 zu Tochter Betty nach Bad Homburg, lebten später verarmt in Frankfurt. 1937 starb Heinrich Hirsch, der herzkrank war und zudem erblindete, mit 71 Jahren – ein Jahr darauf seine Frau Karoline „Lina“ Hirsch mit nur 65 Jahren. Die Schüler mahnten, aus der Vergangenheit zu lernen: „Auch heute werden Menschen verfolgt. Asylrecht ist eine große Errungenschaft.“


 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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