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DateitypGary Kahn besucht die Heimat seiner Vorfahren Seite drucken zurück zur vorherigen Seite
 || Nr.673 || Datum: 19:23:30 31.01.2016 ||
Büttelborn 24.11.2015

Erst spät nach Deutschland getraut

Um die in die USA vertriebene jüdische Familie Kahn und die Aussöhnung von Juden und Christen ging es bei einer Diskussionsveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus Worfelden. Auf dem Podium saßen unter anderem (von links) Thorsten Petri, Marcus Amft, Gary Kahn, Katharina Amft und Heinz J. Sandner. 	<br />
Foto: Robert Heiler/Vollformat

Um die in die USA vertriebene jüdische Familie Kahn und die Aussöhnung von Juden und Christen ging es bei einer Diskussionsveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus Worfelden. Auf dem Podium saßen unter anderem (von links) Thorsten Petri, Marcus Amft, Gary Kahn, Katharina Amft und Heinz J. Sandner.
Foto: Robert Heiler/Vollformat














Von Daniel Kroiss

ZEITGESCHICHTE Gary Kahn, Spross einer jüdischen Familie

aus Worfelden, besucht die Heimat seiner Vorfahren

WORFELDEN - Bei seinem fünften Besuch in der Heimat seiner Eltern sprach Gary Kahn im Gemeindehaus Worfelden über das Schicksal seiner jüdischen Familie und die Aussöhnung von Juden und Christen.

„Als ich zum ersten Mal deutschen Boden betreten habe, war das wie ein Schritt auf den Mars“, erzählte Gary Kahn, Nachkomme der aus Worfelden stammenden jüdischen Familie Kahn, die im Nationalsozialismus in die USA fliehen musste, bei einer Diskussionsrunde im evangelischen Gemeindehaus. Doch nie zuvor habe er sich dem „Geist meiner Vorfahren so nahe gefühlt“.

Kahn, Jahrgang 1952, unterhält seit Jahren Kontakte mit Bekannten und Heimatforschern aus Worfelden. Besonders eng ist die Beziehung zu Heinz Sandner vom Heimat- und Geschichtsverein, den Vereinsvorsitzender Marcus Amft für dessen besonderes Engagement bei der Aufarbeitung des jüdischen Lebens in Worfelden würdigte. „Er war und ist die erste Anlaufstelle für den Kontakt zur Familie Kahn in den USA“, so Amft.

Schon seit den achtziger Jahren läuft ein reger Schriftverkehr zwischen Sandner und Gary Kahn sowie dessen Verwandtem Karl Kahn aus der Borngasse, der kürzlich 95 Jahre alt wurde und 1999 auf Einladung Sandners selbst noch einmal seinen Geburtsort besucht hatte. Wenn Gary Kahn auf einer Dienstreise nach Deutschland kommt, versucht er, diese Kontakte zu pflegen. Zuletzt war er 2012 zu Gast.

Doch das war nicht immer so, wie er den rund 30 Zuhörern versicherte. Nachdem seine Eltern – der gebürtige Worfelder Karl Kahn (Neustraße 2) und seine aus der Nähe von Köln stammende Mutter – in die USA geflohen waren, hätten sie sich schnell mit dem neuen Leben arrangiert; über die schlimmen Jahre in Deutschland sei zu Hause wenig gesprochen worden. Dennoch hatte Kahn früh Interesse am Schicksal seiner Familie, die mittlerweile über die ganze Welt versteut ist.

„Mit 17 hätte ich an einem Austausch nach Deutschland teilnehmen können“, erinnerte er sich. Deutsch hatte er in der Schule als Fremdsprache gewählt und gern gelernt. Doch habe er damals keine Unterstützung bekommen und sich dann doch noch nicht getraut. Erst mit 35 Jahren habe er sich entschlossen, das Land zu besuchen, aus dem seine Eltern flüchten mussten. Die Ankunft dort sei zunächst befremdlich gewesen, doch die vielen positiven Eindrücke und die herzliche Aufnahme in Groß-Gerau und Worfelden hätten ihn nachhaltig beeindruckt. Mittlerweile fühle er sich sehr wohl, wenn er das Flugzeug verlasse und seine Freunde im Kreis Groß-Gerau besuche.

Während seine Mutter, die vor der Diskussionsrunde ebenfalls kurz mit ihrem Sohn und den Veranstaltern um Heinz Sandner und Pfarrer Richard Luhtelefonisch ins Gespräch kam, nie wieder zurückkehren wollte, habe sein Vater Karl diesen Wunsch geäußert. „Meine Mutter macht sich heute Vorwürfe, dass sie ihm das ausgeredet hat“, sagte Kahn. Sein Vater starb 1983 in den USA, seine Mutter begleitete ihn schließlich 1989 bei seinem Wunsch, Deutschland kennenzulernen und kam so auch nach Worfelden.

Am Sonntagmorgen verlas Gary Kahn einige Bibelpassagen im Gottesdienst in der evangelischen Kirche Worfelden. Sein unermüdlicher Beitrag zur Verständigung zwischen der Familie Kahn und deren alten Heimatorten wurde in besonderer Weise von den Anwesenden aus Kirche, Politik und Heimatforschung gewürdigt. Anschließend besuchte Kahn mit den Kirchengängern das Mahnmal der Gefallenen der beiden Weltkriege vor der Kirche. Auch der Name seines Verwandten Albert Kahn ist dort eingraviert: Dieser starb 1918 an einer Verletzung, die er sich im deutschen Militärdienst an der Front in Frankreich zugezogen hatte. Auch Kahns Großvater Julius Kahn wurde in Reims schwer verwundet. Weil er seiner alten Arbeit in Worfelden mit dieser Verletzung nicht mehr nachgehen konnte, zog er 1920 nach Groß-Gerau und eröffnete dort das Kaufhaus Kahn am Sandböhl, vor dem heute Stolpersteine an den letzten Wohnsitz von Gary Kahns Familie in Deutschland erinnern.

Doch nicht nur für Aussöhnung, Verständigung und Freundschaft war dieses Wochenende ein Gewinn. „Ein so intensiver Informationsaustausch kann viele Fragen klären, die sehr aufwändige Archiv-Recherche erforden würden“, erklärte Torsten Petri. Dieses Wochenende werde so auch die Heimatforschung enorm voranbringen.
 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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