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DateitypStolpersteinverlegung in Crumstadt Seite drucken zurück zur vorherigen Seite
 || Nr.676 || Datum: 19:46:07 31.01.2016 ||
Riedstadt 16.10.2015

Grausames Schicksal der Großmutter

Zum zweiten Mal hat Gunter Demnig  am Donnerstagmittag Stolpersteine in Crumstadt verlegt.   16 Gedenktafeln wurden vor dem letzten Wohnsitz von Opfern des NS-Regimes in den Gehsteig eingelassen, wie in der Friedrich-Ebert-Straße 31 für Leo Friedrich Bruchfeld, Lore Bruchfeld und Berta Bruchfeld. 	<br />
Fotos: Robert Heiler

Zum zweiten Mal hat Gunter Demnig am Donnerstagmittag Stolpersteine in Crumstadt verlegt. 16 Gedenktafeln wurden vor dem letzten Wohnsitz von Opfern des NS-Regimes in den Gehsteig eingelassen, wie in der Friedrich-Ebert-Straße 31 für Leo Friedrich Bruchfeld, Lore Bruchfeld und Berta Bruchfeld.
Fotos: Robert Heiler













Von Anke Mosch

GEDENKEN Bei der Stolpersteinverlegung in Crumstadt wird an 16 frühere jüdische Einwohner erinnert

RIEDSTADT - (amo). In einer bewegenden Zeremonie wurden am Donnerstagmittag 16 Stolpersteine an sechs Standorten für Opfer des Naziregimes in den Bürgersteigen eingelassen. Es war die vierte Verlegung in Riedstadt und zweite in Crumstadt.

„Gedenken hat nicht nur mit Intellekt zu tun, sondern auch mit Gefühl. Sie brauchen sich Ihrer Tränen nicht zu schämen. Man kann auch heute beweinen, was damals geschehen ist“, sagte Walter Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau. Was die zahlreichen Teilnehmer der vierten Stolpersteinverlegung in Riedstadt am Donnerstagmittag zutiefst betroffen gemacht hatte, waren die bewegenden Worte, mit denen Elke Jurischka-Leimbach an ihre Großmutter Apollonia Riebel erinnerte.

„Als ich jung war, und selbst in diesem Gebäude nur zwei Häuser weiter lebte, wusste ich nicht, dass meine Großmutter ermordet wurde“, wandte sie sich an die Zuhörer, die sich aus Platzgründen zwei Hausnummern vor der Nibelungenstraße 6 versammelt hatten. Erst durch hartnäckige Recherchen erfuhren sie und ihr Vetter Horst Zehnder, der mit seiner Familie ausgebombt wurde und bei der Crumstädter Verwandtschaft unterkam, vom Schicksal ihrer Oma: Die Großeltern waren 1914 als jung verheiratetes Paar aus Hammbelbach nach Crumstadt gezogen, arbeiteten beide im Philippshospital, bekamen innerhalb von zwei Jahren zwei Töchter und zogen 1926 in das eigene Haus in der Nibelungenstraße.

Überlastet mit ihren vielen Aufgaben wurde Apollonia psychisch krank. 1941 wurde sie von der Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim über die Landesanstalt Eichberg „mit 87 anderen Patienten in einem der berüchtigten grauen Busse nach Hadamar transportiert. Dort wurde sie wahrscheinlich noch am gleichen Tag aussortiert, mit Gas ermordet und verbrannt“, berichtete die Enkelin. Ihre Großmutter sei wie so viele andere ein Opfer des auf den 1. September 1939 zurückdatierten Hitler-Befehls auf „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ geworden. Der Tod all dieser Menschen „wird immer noch verschwiegen. Mit der Verlegung können wir ihre Namen nennen und an ihr grausames Schicksal erinnern“, dankte sie insbesondere Künstler Gunter Demnig, der europaweit mit kleinen Betonquadern im Bürgersteig vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz von verfolgten Bürgern an die Opfer des Naziregimes erinnert.

Zu Beginn der Gedenkveranstaltung hatte Stadtrat Richard Kraft (CDU) in Vertretung von Bürgermeister Werner Amend an die Bedeutung des Erinnerns gemahnt, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Diskussion um Flüchtlinge, „mit einfachen Antworten, wo es einfache Antworten nicht geben kann. Es ist wichtig, dass auch die schweigende Mehrheit das Wort ergreift und die Straße nicht Extremisten überlässt.“ Walter Ullrich bat um eine Gedenkminute für Lore Levi, geborene Bruchfeld, die am Montag in Tel Aviv gestorben war. Für sie wurden am Donnerstag wie auch für ihre Eltern Leo Friedrich und Berta Bruchfeld an der Friedrich-Ebert-Straße 31, in der heute eine Apotheke untergebracht ist, Stolpersteine verlegt. Lore hatte im Exil in Uruguay Martin Levi geheiratet, dem mit seinen Eltern Berta und Ferdinand sowie seinen Geschwistern Julius und Elsbeth an diesem Tag wenige Häuser weiter auf der Friedrich-Ebert-Straße 40 ebenfalls Gedenksteine gesetzt wurden.

Ullrich erinnerte daran, dass Crumstadt in den dreißiger Jahren mit 47 jüdischen Mitbürgern nach Groß-Gerau die größte jüdische Gemeinde im gesamten Kreis hatte. „Es wird gern vergessen, aber zu der Zeit gab es in vielen Orten, nicht nur in Crumstadt, mehr jüdische Bürger als katholische.“ Bei der zweiten Stolpersteinverlegung in Crumstadt wurden denn auch von Demnig 16 Quader an sechs Standorten verlegt.

Die Aktion hatte an diesem nasskalten Mittag mit einem Missverständnis begonnen: Während die Teilnehmer und Paten in der Nibelungenstraße warteten, verlegte der Kölner Künstler bereits die Steine für Abraham und Rosa Bruchfeld III in der Rathausstraße 19, der letzten Station der Gedenkstrecke. Doch mit etwas Verzögerung konnte dann doch noch alles seinen geplanten Verlauf nehmen, zogen die Teilnehmer von der Nibelungenstraße über die Friedrich-Ebert-Straße, wo in der Hausnummer 28 (heute Volksbank) Else und Ludwig Bruchfeld einen Laden betrieben und nach Chile geflohen waren, zur Modaustraße 3 (Familie Levi) und schließlich der Rathausstraße.

Die drei Klarinettisten Wolfgang Seidemann, Gabi Hönisch und Felix Brandt von der Riedstädter Musikwerkstatt umrahmten musikalisch das Gedenken, Schüler der Martin-Niemöller-Schule trugen Texte und Biografien der 16 Crumstädter vor, an die nun Gedenksteine im Bürgersteig erinnern.
 
| Autor: Jürgen Hedderich |
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