Was bedeutet der Name Jude ?

Jude, griechisch: loudaios, lateinisch: Judaeus, geht auf das hebräi­sche Jehuda (Juda) zurück. Juda ist der vierte Sohn Leas, der ersten Gattin des Stammvaters Jakob, und späterer Stammvater des vierten der zwölf Stämme Israels. Wer in Judas Stammgebiet lebt, ist Judä-er. David herrscht über »Israel und Juda«1, d.h. über die zehn Stämme des Nordens und die zwei Stämme (Juda und Benjamin) des Südens. Nach Salomos Tod zerbricht das geeinte Reich in zwei Staaten: das Reich Israel (mit der späteren Hauptstadt Samaria) und das Reich Juda (mit Jerusalem). Die biblischen Königsbücher (l.Kön und 2.Kon) berichten uns über die Feindschaften und Freundschaften dieser beiden Bruderstaaten. Die »Chronik der Köni­ge von Juda« und die »Chronik der Könige von Israel«2 sind leider nicht mehr erhalten. In Juda (in römischer Zeit: Judäa) spricht die Bevölkerung Judä-isch3. Die Gebildeten verstehen auch Aramäisch.4 Judäisch ist He­bräisch, Biblisch-Hebräisch, wobei die Bezeichnung Hebräisch5 interessanterweise in der Bibel nicht vorkommt. Was bedeutet der Name Jehuda und damit auch der Name Jude? Jehuda ist von der Wurzel j-h-d, »preisen, danken«, abgeleitet und besitzt als erstes Element den Gottesnamen J-h. Lea wählt den Namen, aber sie erfindet ihn nicht.6 »All dies sind Namen der Frü­heren«7, Namen, die bereits existieren. So findet sich in der Tora beispielsweise der Frauenname Jehudit.8 Als Gattin Esaus hat Jehu-dit vor Juda gelebt. Lea erklärt die Wahl gerade dieses Namens für ihr Kind: »Dieses Mal will ich Gott preisen« (»Gott danken«).9 »Ich will Gott danken«10, ruft auch der Psalmist11 aus. Spätbiblisch wird Jehuda zur aramäischen Kurzform Jehud.12 Jehu­da, Juda, Jehud und dann das deutsche Jude bedeuten soviel wie »Gott sei gepriesen« oder »Gott sei gedankt«.

1  2.Sam 3,10; 24,1.
2  l.Kön 14,19.29 u.a.
3  fhudit.
4  aramir, 2. Kon 18,26ff; Jes 36,11 ff.
5  iwrit.
6  l.Mose 29,35. Entsprechend ist der Name Samuel
   (sch'mu'el) nicht von Hanna, der Mutter des Propheten,  
   geprägt worden. Er ist älter (vgl.4.Mose 34,20).
7  Sfomo z. St.
8  l.Mose 26,34; Entsprechend der Männemame Jehudi
   (Judäer) in Jer 36,14.23.
9  l.Mose 29,35.
10 öde jäh.
11 ps 118,19.
12 Dan 2,25; 5,13.
aus: Rabbiner Roland Gradwohl Frag den Rabbl Streiflichter zum Judentum, Stuttgart 1994