Rückblick 2010 / Ausblick 2011

Rückblick 2010 und  Ausblick auf 2011

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

seit 2005 betreibe ich nun dieses Projekt mit seinen gelegentlichen Kontroversen, aber auch seinen schönen Erfolgen. Die „Stolpersteine“ sind über die Jahre Teil der wichtigen Erinnerungsarbeit in unserer Stadt geworden. Keine „Eintagsfliege“, sondern nachhaltig, wie die vielen Aktivitäten immer wieder aufs Neue zeigen. So auch im abgelaufenen Jahr 2010.

Bereits in meinem Buch „Steine gegen das Vergessen“, 2009, hatte ich darauf hingewiesen, dass dem getauften Juden Landgerichtsdirektor Dr. Otto Ortweiler aus der Farmstraße 24 ein „Stolperstein“ gebührt. Über meine Recherchen habe ich am 24.01.2010 im Rathaus Walldorf berichtet. In dieser Veranstaltung sprachen Peter Härtling „Über das Erinnern“ und Bürgermeister Heinz-Peter Becker über „Stolpersteine im öffentlichen Raum“. Inzwischen habe ich weitere Nachforschungen im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden angestellt. Auch zur Ehefrau Dr. med. Therese Ortweiler, die nicht nur in ihrem „beruflichen Fortkommen behindert“ wurde, wie dies in den Entschädigungsakten nachzulesen ist, sondern mit ihrer Familie trotz allem Drucks zu ihrem Ehemann stand, mit ihm gelitten hat und viele Ängste, Ausgrenzungen und Demütigungen ertragen und aushalten musste.

Der Koordinatorin der Stolpersteine, Uta Franke, habe ich Anfang Dezember 2010 die Lebensgeschichte der Familie Ortweiler mit der Bitte zugeschickt, dass für Dr. Otto Ortweiler ein Gedenkstein mit folgendem Text gesetzt wird: „Hier wohnte / Dr. Otto Ortweiler / Jg. 1894 / Berufsverbot 1935 / Untergetaucht 1938 / Überlebt“. Da Gunter Demnig bereits dreimal (2007, 2008, 2009) in unserer Stadt war, habe ich wegen der großen Nachfrage angeboten, dass wir den Stein selbst verlegen, wie dies andernorts bereits geschehen ist. Da Uta Franke zum 01.04.2011 ihre Funktion aufgibt, kann es natürlich zu Verzögerungen kommen. Schön wäre es, wenn der noch in Künzelsau (Hohenlohe) lebende Sohn Heinz Hans Ortweiler (Jg. 1929) mit seiner Frau Irene bei der Verlegung – möglichst im Frühjahr 2011 – dabei sein könnte. Die Patenschaft für den Stein hat der jetzige Hauseigentümer, Herr Dipl. Ing. Wolfgang Hoffmann, übernommen.

Im vergangenen Herbst konnte ich in drei Vortragsveranstaltungen über die Stolpersteine in unserer Stadt berichten:

  • 23.09. Erwachsenenbildung Pfarrei Christkönig Walldorf, insbesondere zu den Geschwistern Reiß und Clara Marie Adler
  • 19.10. Seniorenclub Arbeiterwohlfahrt Mörfelden, insbesondere zu Dr. Otto Ortweiler
  • 16.11. Freunde der Waldenser Walldorf, insbesondere über die Familie Ortweiler

Daneben habe ich für den Fotoclub Mörfelden-Walldorf einen Besuch des Jüdischen Friedhofs in Groß-Gerau am 07.03.10 organisiert, der auch für alle anderen Interessenten offen war und lebhaften Zuspruch fand. Die Ergebnisse der fotografischen Arbeiten wurden am Tag der offenen Tür am 23.05.10 in der ehemaligen Synagoge in Riedstadt-Erfelden zusammen mit Bildern vom Jüdischen Friedhof in Wageningen (niederländische Partnerstadt) gezeigt. Die Ausstellung wird übrigens auch im Februar 2011 im Landratsamt Groß-Gerau zu sehen sein.

Eine sehr schöne Idee hatte Lehrer Manfred Seiler, der mit seinen Schülern/innen am Projekttag der Bertha-von-Suttner-Schule (29.06.10) eine „Putzaktion“ für alle Stolpersteine in unserer Stadt durchführte. Eine Wiederholung ist sehr erwünscht!

Ebenfalls sehr gefreut habe ich mich darüber, dass Jana Hechler und Lena Kalinowsky ihre ausgezeichnete Arbeit „Schule im Dritten Reich“ im November 2010 als Buch herausgebracht haben, das u.a. über die Gegebenheiten in der Mörfelder Volksschule ausführlich berichtet. Das Werk ist für 10 € im Heimatmuseum Mörfelden oder unter der Telefonnummer 06105 33166 erhältlich.

Wie Sie vielleicht der Presse entnommen haben, habe ich mich im Kreistag Groß-Gerau im Rahmen der Erinnerungsarbeit auch mit den Themen „NS-Euthanasie“ und „Stolpersteine“ befasst. Die Umsetzung der Beschlüsse ist „in Arbeit“. Für Mörfelden-Walldorf bedeutet dies, dass auf der kreiseigenen Liegenschaft der Albert-Schweitzer-Schule ein weiterer Stolperstein für den Lehrer und Bürgermeister Peter Klingler gesetzt werden dürfte, nachdem ich klarstellen konnte, dass Gunter Demnig nicht nur Steine mit der Inschrift „hier wohnte“, sondern auch „hier arbeitete“ z. B. in TU Darmstadt verlegt hat. Nach meinen bisherigen Recherchen liegen die Voraussetzungen hierfür vor, denn Klingler wurde 1933 „wegen politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem Schuldienst entfernt.

Abschließend möchte ich Ihnen und allen anderen Interessierten für das erste Halbjahr 2011 noch zwei Veranstaltungen anbieten:

  1. Besuch des Jüdischen Friedhofs in Groß-Gerau, Theodor-Heuss-Straße, am Sonntag, 10. April 2011 um 15:00 Uhr. Neben der Besichtigung soll gemeinsam mit Ulf Kluck (2. Vors. FV) über Beerdigungs- und Trauerriten berichtet werden.
  2. „Jüdische Spuren“, ein Rundgang durch die Mörfelder Altstadt, Treffpunkt: Gedenkstein für die jüdischen Familien, Rathausplatz, am Samstag, 14. Mai 2011 um 16:00 Uhr.

Beide Veranstaltungen wurden von Herrn Helmut Doll angeregt. Die Erwachsenenbildung der Pfarrei Christkönig Walldorf ist deshalb Mitveranstalter.

Bei der Stadt Mörfelden-Walldorf, insbesondere bei Herrn Bürgermeister Heinz-Peter Becker und seinen Mitarbeiter/innen im Hauptamt möchte ich mich für die bisherige Unterstützung unseres gemeinsamen Projekts sehr herzlich bedanken. Diese Zusammenarbeit möchte ich gerne fortsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Vorndran

Vorstandsmitglied und Projektbearbeiter

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