Büchübergabe bei Bertha-von-Suttner-Schule

«Niemals einen Schlussstrich ziehen»

Wider das Vergessen: Die Aktion Stolpersteine wird weiter fortgesetzt

Das Buch «Stolpersteine gegen das Vergessen» soll im Geschichtsunterricht verwendet werden. Je weniger Zeitzeugen es gibt, um so wichtiger ist die Buchlektüre.

Hans-Jürgen Vorndran vom Förderverein für jüdische Geschichte überreichte gestern in der Bertha-von-Suttner-Schule ein Dutzend Exemplare des Buchs «Stolpersteine gegen das Vergessen». Die Oberstufenschüler Larissa Schulmeyer und Remo Bahl aus der Jahrgangsstufe 13 sowie Tugba Tuncer aus der zehnten Klasse nahmen die Bücher, die im Geschichtsunterricht verwendet werden sollen, in Empfang.

Schulmeyer und Bahl haben sich vor drei Jahren gemeinsam mit ihrem früheren Klassenlehrer Manfred Seiler an der Aktion Stolpersteine beteiligt. Insgesamt 27 Neunt- und Zehntklässler machten bei dem Projekt mit.

Schulleiterin Ute Zeller freute sich über Vorndrans Unterstützung: «Wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, so müssen wir verstärkt Bücher über das Dritte Reich lesen.» Das Buch über die Stolpersteine passe zur Gesamtschule, die nach der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner benannt wurde. Junge Menschen müssten dafür gewonnen werden, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Ute Zeller erinnerte an den Besuch von Vera Dotan, die in der Vorwoche über ihre Zeit im KZ-Außenlager Walldorf sprach. Die 79-jährige Dotan habe ein Buch mit dem Titel «Aufstieg zur Hölle» geschrieben.

Emotionen wecken

Vorndran erklärte, dass es bei der Verlegung von Stolpersteinen auch um Emotionen gehe. «Die Menschen spüren, dass es ihre Nachbarn waren, die verschleppt wurden», sagte er. Der frühere Erste Stadtrat hob hervor, dass die Verlegung von Stolpersteinen weitergehe. So soll im Frühjahr für den jüdischen Bürger Otto Ortweiler aus der Farmstraße in Walldorf ein Stolperstein verlegt werden. Auch an den früheren Bürgermeister Peter Klingler, einst Lehrer an der Mörfelder Feldschule, soll erinnert werden.

Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) dankte dem Förderverein für jüdische Geschichte für die wertvolle Arbeit. Die Aufarbeitung der Historie müsse fortgesetzt werden. Becker erläuterte, dass deshalb auch eine Projektgruppe der Stadt gebildet wurde. Die Doppelstadt werde 2011 einen Tag der Menschenwürde veranstalten.

Aus Historie lernen

Bernd Wiederhold, Fachbereichsleiter für Politik in der Mittel- und Oberstufe, sowie Lehrer Manfred Seiler sprachen sich dagegen aus, die Aufarbeitung der Geschichte zu beenden. Seiler forderte, aus der Historie zu lernen.

«Wer einen Schlussstrich ziehen will, der ist dazu verurteilt, Geschichte nochmals zu erleben», warnte Wiederhold. dib (dib)