Ulrich Trumpold: „Ich wohne in einem Judenhaus“

BÜTTELBORN.

„Ich wohne in einem Judenhaus“, erklärte Ulrich Trumpold am Mittwoch als Eigentümer des Anwesens Mainzer Straße 10. Beim Hauskauf vor mehr als drei Jahrzehnten erfuhr er vom Schicksal der früheren Bewohner.
Falk Oppenheimer, ein Getreide- und Futtermittelhändler, habe das Haus im 19. Jahrhundert erworben. Dessen Enkel Hermann Stein habe 1934 sein Textilhandelsgeschäft aufgeben müssen. Die 1940 geplante Flucht nach Palästina scheiterte.

Vermutlich seien Hermann Stein und seine Frau Lina am 19. Juni 1942 im Zuge einer Deportationsaktion von Frankfurt aus nach Osten gebracht und ermordet worden. Ihre drei Kinder überlebten. Arthur rettete sich nach England. Ilse und Alfred Stein gelang die Flucht nach Palästina. Die Familie sei Mitglied im Turnverein gewesen.

Alfred Stein, der 1994 in Büttelborn zu Gast war, betätigte sich im Arbeitersportverein, der heutigen SKV, sagte Trumpold. Beide Brüder hätten im Zweiten Weltkrieg als britische Soldaten gekämpft.

Wie Trumpold informierte, starb Ilse Stein 1974 in Haifa. Sie hinterließ zwei Söhne und fünf Enkel. Arthur Stein starb kinderlos Anfang der achtziger Jahre und Alfred Stein, der eine aus Berlin stammende Jüdin heiratete, hinterließ 2001 drei Kinder und sieben Enkel. „Ich wohne in einem Judenhaus, und das ist mir Verpflichtung, aber auch eine Chance, die Vergangenheit lebendig in Erinnerung zu halten“, unterstrich Ulrich Trumpold.