Digitale Erinnerung an die Opfer

Digitale Erinnerung an die Opfer

Geschichte – Mörfelden-Walldorf liefert im Internet Informationen zu Stolpersteinen – Vorndran will Bücher online stellen

Den 53. Stolperstein in Mörfelden-Walldorf verlegte in der Farmstraße 24 nicht der Kölner Künstler Gunter Demnig, sondern Hauseigentümer und Stolpersteinpate Wolfgang Hoffmann. Die Stadt erinnert jetzt auch im Internet ausführlich an die Opfer des Nazi-Regimes. ArchivFoto: Timo Jaworr
Erheblich ausgebaut hat die Stadt Mörfelden-Walldorf auf ihrer Internetpräsenz die Informationen zum Stolperstein-Projekt.

MÖRFELDEN-WALLDORF.


Kontrovers diskutiert worden ist das Projekt „Stolpersteine gegen das Vergessen“ von Gunter Demnig in vielen Städten und Gemeinden. Mehr als 40 000 Stolpersteine erinnern inzwischen in 800 europäischen Kommunen an Opfer des Nazi-Regimes. Damit hat Demnig das größte dezentrale Denkmal geschaffen.

In Mörfelden-Walldorf sind 54 dieser Steine verlegt worden. Seit Kurzem gibt es ausführliche Informationen über die Menschen, an die mit den Stolpersteinen erinnert wird, auf der städtischen Internetseite. Hans-Jürgen Vorndran ist der Initiator des Projekts in Mörfelden-Walldorf. Mit dem Aufbau der entsprechenden Internerseiten auf www.moerfelden-walldorf.de können sich nun Menschen weltweit informieren.

„Nachdem wir 2007 im Juni die ersten 15 Stolpersteine in Mörfelden und Walldorf verlegt hatten, hat mich der Hinweis eines Bürgers erreicht. Gerd Becker hat mich darauf hingewiesen, dass die Stadt Frankfurt auf ihrer Homepage über die Stolpersteine berichtet. Das war die Initialzündung zur Idee, die damit verbundenen Namen, Orte und Fakten auch in Mörfelden-Walldorf der Weltöffentlichkeit über das Internet vorzustellen“, berichtete Vorndran.

54 Stolpersteine sind seit 2007 in Mörfelden und Walldorf zum Gedenken an die Opfer der Nazis verlegt worden, jeder mit Namen in den Bürgersteig vor dem ehemaligen Wohnhaus der Betroffenen. „Wir wollen damit aufzeigen, dass die Nazi-Verbrechen nicht fernab im Osten des Reichs begangen wurden, sondern, dass sie mit Ausgrenzung, Ausplünderung, Vertreibung und Deportation mitten im Volk vorbereitet wurden“, sagte Vorndran.

Zusammen mit dem für die EDV verantwortlichen Hauptamtsleiter Thomas Krüger und dem EDV-Büro Urban Jänicke wurde die Webpräsenz erarbeitet. Einiges ist bereits seit 2008 online, doch wurde die Dokumentation jetzt noch erheblich erweitert. „Es bestand der Wunsch auf Ergänzung und teilweiser Neugestaltung der Darstellung von den Verlege-Aktionen mit entsprechenden textlichen Hinweisen. Auch Übersichtskarten und die Verlegeorte sollten hinzukommen“, erklärte Vorndran. „Das Projekt ist mit 54 Stolpersteinen zwar irgendwo abgeschlossen, aber die Erinnerungsarbeit muss immer fortgesetzt werden.“ So können die Bürger nun unter der Rubrik Stadtporträt und Stadtgeschichte ausführliche Informationen zu den Stolpersteinen einsehen, ein weiterer Ausbau dieser Sektion ist geplant.

In dem Buch „Steine gegen das Vergessen“ und der Broschüre „Jüdische Spuren. Rundgang durch das alte Walldorf“ befinden sich viele weitere Angaben, Fotos und Dokumente, die Autor Hans-Jürgen Vorndran nun auch mittels Internetauftritt zugänglich machen will. „Die digitalen Versionen des Buchs und der Broschüre sind ja da. Deshalb wollen wir sie als PDF zum Download auf der Seite anbieten. Ich habe da keinerlei finanzielle Interessen. Vielmehr geht es mir darum, dass diese Informationen und das Wissen allen Interessierten zugänglich gemacht werden können. Und wer lieber alles kompakt in Buchform haben möchte, der kann den Band auch für 8,50 Euro bei der Buchhandlung Giebel erwerben.“