Nächste Verlegung am 06.09.2016 in Astheim

Erinnerung an jüdische Bürger

Von Renate Danker

GEDENKEN In Astheim werden zwölf Stolpersteine verlegt / Ehrung auch für Pfarrer Karl Barth

ASTHEIM – Im September wird der Künstler Gunter Demnig in Astheim zwölf weitere Stolpersteine verlegen. Der Termin ist am Dienstag, 6. September, um 9 Uhr in Alt Astheim 44. Dort lebten die jüdischen Mitbürger Kathinka Rothschild geborene Oppenheimer, ihre Nichte Selma Sitta Oppenheimer, Sitta Romberg geborene Rothschild, deren Mann Alfred Romberg und deren beide Kinder Margaret und Berthold.

Kathinka Rothschild wurde nach Theresienstadt deportiert und 1942 in Treblinka ermordet. Selma Sitta Oppenheimer konnte nach Südafrika fliehen. Alfred und Sitta Romberg, die 1929 und 1930 geboren wurden, leben heute in den USA. Sie waren als Kinder mit ihrer Mutter zunächst nach Eschwege und dann über Holland nach England und Anfang 1945 in die Staaten eingereist.

Mit einem Stolperstein, der vor der Pfarrkirche St. Petrus in Ketten verlegt wird, soll an den ehemaligen katholischen Astheimer Pfarrer Karl Barth erinnert werden, der mit dem Nazi-Regime in Konflikt geriet und erstmals 1936/37 und ein weiteres Mal 1942 in Darmstadt inhaftiert wurde, ehe er von Juli 1943 bis zum 4. April 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert wurde.

Neben Zwangsarbeit auch noch Schikane

In der Mainzer Straße 12 werden Stolpersteine für Joseph Strauß und dessen Kinder Bertha, Siegfried, Isidor und Martha verlegt. Joseph Strauß, Jahrgang 1857, starb 1940 in Astheim und wurde vermutlich in Mainz beerdigt.

Bertha, Siegfried und Isidor Strauß wurden 1942 ins polnische Piaski deportiert. Martha Strauß konnte 1938 nach Amerika entkommen und überlebte als einzige der Familie. Ihre Brüder wurden zur Zwangsarbeit in Kelsterbach verpflichtet, wohin sie täglich mit ihren Fahrrädern fuhren. Nicht nur einmal wurden ihnen die Reifen aufgeschnitten oder die Fahrräder gestohlen. Öfter wurden sie auch verprügelt.

Weil ihre Schwester Bertha Lebensmittel kaufte – auch das war Juden verboten – wurde sie zur Strafe sechs Wochen im Runden Turm in Darmstadt inhaftiert. Eine Woche vor ihrer Deportation, zusammen mit ihren Brüdern Isidor und Siegfried, ließ sich Bertha Strauß noch ein neues Kleid nähen und die Haare ondulieren, weil sie annahm, auf einem Gut in Polen angesiedelt zu werden, wo sie als Köchin und ihre Brüder auf dem Feld arbeiten würden.

Zur Verlegung der Stolpersteine wird wahrscheinlich Margret Romberg, verheiratete Furst, kommen. Sie hat als Sechsjährige Astheim verlassen und besuchte ihren Geburtsort 1989 mit gemischten Gefühlen. Damals traf sie mit Familie Scherneck auch Nachbarn wieder, die sie durch ein Loch in der Kellerwand mit Lebensmitteln unterstützten.

Pia Kramer, die im Arbeitskreis für die Verlegung der Stolpersteine mitwirkt, hat Kontakt zu ihr aufgenommen und sie über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Für die Finanzierung der Stolpersteine, von denen das Stück 120 Euro kostet, haben sich bis jetzt elf Spender gefunden. Ein Stein muss noch finanziert werden. Interessenten werden gebeten, sich an das Kulturbüro der Gemeinde Trebur zu wenden.