Bereits 35 potenzielle Paten

Bereits 35 potenzielle Paten gefunden

Kulturausschuss: Stolperstein-Aktion des Evangelischen Dekanats erneut Thema

GROSS-GERAU.

Niemand bedauere mehr als er, dass sich an der Stolpersteine-Aktion in Groß-Gerau ein parteipolitischer Streit entfacht habe, erklärte Dekan Tankred Bühler in der jüngsten Sitzung des örtlichen Kulturausschusses. Auch wenn in den Straßen von Büttelborn und Gernsheim vermutlich früher Stolpersteine an ehemals dort lebende Menschen jüdischer Abstammung erinnern werden als in Groß-Gerau, gebe er die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann auch im Groß-Gerauer Stadtparlament ein Umdenken erfolge.

Bühler berichtete dem Fachausschuss von einem informativen Gesprächsabend mit Moritz Neumann, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Hessen (das Echo berichtete). Anlass zur Zusammenkunft bot in erster Linie die öffentliche Präsentation des Stadtplans ,,Orte der Erinnerung – Stätten jüdischen Lebens ins Groß-Gerau”. 7500 Exemplare des kostenfrei zur Verfügung gestellten Stadtplans, dessen Basis die Recherchen von Jürgen Ziegler und Hans-Georg Vorndran bilden, habe das Dekanat gedruckt, so Bühler, der darauf baute, dass das Faltblatt insbesondere von Schulen intensiv genutzt werde.

Er sei über die Resonanz – rund 60 Menschen nahmen am Informationsabend teil – ebenso erfreut gewesen wie über die positive Bewertung der Stolpersteine des Kölner Aktionskünstlers Gunter Demnig durch Neumann und zahlreiche Zuhörer. Obwohl das Dekanat bisher keinerlei Werbung gemacht habe, hätten sich inzwischen 35 potenzielle Paten gemeldet, die einen Stolperstein finanzieren wollen.

,,Diese Art des Gedenkens kostet die Stadt keinen einzigen Euro”, rief Bühler den Stadtverordneten in Erinnerung. Klaus Meinke, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender, zollte dem Evangelischen Dekanat ausdrücklich Dank für den aus seiner Sicht ,,außerordentlichen gelungenen Stadtplan”, der verdeutliche, welch große Bedeutung den Menschen jüdischer Abstammung in Groß-Gerau zuzumessen sei.

,,Auch wenn sich die SPD-Fraktion dem Mehrheitsbeschluss des Stadtparlaments gebeugt hat, ist die Stolpersteine-Diskussion für die SPD noch nicht abgeschlossen”, betonte Meinke. Der SPD-Politiker fand viel Lob für die themenbezogene Theateraufführung von Schülern der Martin-Buber-Schule am 9. November in der Stadthalle (das ECHO berichtete). Das gezeigte Stück, das die Lebenserinnerungen von Thea Hurst (geborene Gersten) widerspiegelte, die als Tochter jüdisch-stämmiger Eltern in Leipzig lebte, sei eine gute Möglichkeit gewesen, jungen Leuten die deutsche Geschichte näher zu bringen und hätte mehr Publikum verdient, so Klaus Meinke.