Stolpersteinverlegung Ortweiler 21.05.11

Stolpersteine gegen das Vergessen in Mörfelden-Walldorf

  1. Stolpersteinverlegung für Dr. Otto Ortweiler am 21.05.2011
  2. Terminverlegung Rundgang „Jüdische Spuren in Mörfelden“ auf den 01.10.2011

 Liebe Mitstreiter,

 am 30. März 2011 konnte ich in Büttelborn den 53. Stolperstein für Mörfelden-Walldorf von Gunter Demnig übernehmen, den wir im Rahmen einer Feierstunde zur Erinnerung an Dr. Otto Ortweiler am Samstag, 21. Mai 2011 um 11 Uhr in der Farmstraße 24 verlegen wollen. Dazu möchte ich Sie sehr herzlich einladen! Neben Herrn Bürgermeister Heinz-Peter Becker für die Stadt Mörfelden-Walldorf wird Frau Pfarrerin Esther Häcker für die Evangelische Kirchengemeinde Walldorf sprechen.

 Als getaufter Jude erhielt Dr. Ortweiler, Landgerichtsdirektor in Frankfurt, 1935 Berufsverbot. Er musste sich seit 1938 verstecken und konnte so überleben. Auch seine Frau, die in Walldorf praktizierende Ärztin Dr. Therese Ortweiler geb. Mulch, hatte mit ihrem Sohn Heinz unter dem Rassenwahn des Nazi-Regimes zu leiden. Sie musste nach dem Novemberpogrom 1938 Walldorf verlassen. Die Familie Ortweiler konnte erst nach dem Krieg 1946 wieder in ihr Haus zurückkehren.

 Hierbei gibt es drei Besonderheiten: Erstmals verlegen wir einen Stolperstein für einen getauften Juden, und dieser Stein wird nicht von Gunter Demnig selbst, wie bisher,  sondern von dem derzeitigen Hauseigentümer und Paten des Steins, Herrn Wolfgang Hoffmann, verlegt. Außerdem freuen wir uns, auch einen Angehörigen, den Sohn Herrn Heinz Ortweiler (Jg. 1929) mit seiner Frau Irene begrüßen zu können.

 Deshalb nutzt die Evangelische Kirchengemeinde Walldorf die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Zeitzeugen und lädt alle interessierten Bürger/innen herzlich in das Gemeindezentrum, Ludwigstraße 64,  ein. Herr Pfarrer Arne Zick wird die Gesprächsrunde moderieren. Nutzen Sie diese selten gewordene Möglichkeit.

 Nach den mir vorliegenden Informationen dürfte es sich um den voraussichtlich letzten Erinnerungsstein für die „verschwundenen“ jüdische Bürger/innen in unserer Stadt handeln, da mir keine weiteren Juden bekannt sind, die ihren letzten frei gewählten Wohnsitz am 30.01.1933 in Mörfelden oder Walldorf hatten. Damit sehe ich den, auf Grund des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 19.07.2005 erteilten Auftrag an den FV, das Projekt „Stolpersteine gegen das Vergessen“ in Mörfelden-Walldorf umzusetzen, als erfüllt an. Als Projektbearbeiter darf ich mich bei allen Mitstreitern/innen sehr herzlich für die breite Unterstützung aus der Bevölkerung bedanken – stellvertretend nenne ich Peter Härtling. Dank natürlich auch an Herrn Bürgermeister Heinz-Peter Becker und seine sehr engagierten Mitarbeiter/innen im Hauptamt. Auch wenn es anfänglich Widerspruch gab, so sorgte doch das durch jahrzehntelange Erinnerungsarbeit geschaffene Klima in unserer Stadt dafür, dass die „Stolpersteine“ als Fortsetzung dieser Arbeit erfolgreich waren. Mein ausführlicher „Schlussbericht“ zum Projekt liegt in Form des Ende 2009 erschienen Buches „Steine gegen das Vergessen. Stolpersteine in Mörfelden-Walldorf“ vor (erhältlich : Buchhandlung Giebel für 8,50 €). Darüber hinaus finden sich entsprechende Informationen im Internet unter www.moerfelden-walldorf.de  >Stadtportrait > Stadtgeschichte > Stolpersteine.

 Abschließend möchte ich noch einen Wunsch äußern, der sich insbesondere an die Menschen richtet, die mit einer Patenschaft für einen Stolperstein Verantwortung für die Ortsgeschichte übernommen haben. Die Gedenksteine Gunter Demnigs sind mit ihrer Messingplatte der Witterung und Verschmutzung ausgesetzt und müssen in regelmäßigen Abständen geputzt werden, damit sie wieder glänzen! Als „Orientierungsdatum“ für eine solche Aktion könnte zukünftig der 2. Mai in unserer Stadt dienen, das ist der jüdische Holocaust-Gedenktag.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Herr Doll von der Erwachsenenbildung der Pfarrei Christkönig Walldorf hat mich wegen einer anderen Veranstaltung gebeten, den ursprünglich für den 14. Mai 2011 vorgesehenen Rundgang „Jüdische Spuren in Mörfelden“ auf den 1. Oktober 2011 zu verlegen. Treffpunkt ist der Rathausplatz Mörfelden am Denkmal für die jüdischen Familien um 15 Uhr. Bitte vormerken! Der Termin wird natürlich vorher nochmals in der Presse bekannt gemacht. Über Ihre Teilnahme würde ich mich freuen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

 Hans-Jürgen Vorndran

Vorstandsmitglied

64546 Mörfelden-Walldorf, Schwarzwaldstr. 1, Tel. 06105 951 567, Email: hans-juergen.vorndran@web.de