Nächste Verlegung am 24. Juni 2013

Büttelborn      06. April 2013  | wig

Die Spur verliert sich in den USA

Stolpersteine – Zur Erinnerung an die Familie von Sigmund Hirsch werden noch Fotos und Informationen gesucht

Vergrößern Stolpersteine sollen am 24. Juni vor der Büttelborner Volksbank in der Mainzer Straße verlegt werden. Dort stand einst das Anwesen der Familie von Sigmund Hirsch. Foto: Wulf-Ingo Gilbert
BÜTTELBORN.


Um an ehemalige jüdische Mitbürger zu erinnern, die im Dritten Reich in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden, werden am 24. Juni (Montag) in Büttelborn erneut sogenannte Stolpersteine verlegt. Bei der fünften Verlegung, bei der wieder der Kölner Künstler Gunter Demnig die mit einer Messingplatte mit Namen und Daten versehenen zehn auf zehn Zentimeter großen Pflastersteine ins Trottoir einlässt, wird an die Mitglieder der Familie von Sigmund Hirsch erinnert. Hirsch lebte mit seiner Ehefrau Elise geboren Fuld sowie seinen vier Töchtern Greta, Erna, Irene und Betty in der Mainzer Straße 1, dort wo heute die Filiale der Volksbank steht.

Die Hirschs waren alteingesessene, angesehene Büttelborner Bürger, berichtet die Stolperstein-Arbeitsgruppe des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau in einer Pressemitteilung. Sigmund Hirsch hatte das Anwesen samt den angrenzenden Äckern von seinen Eltern Ferdinand und Johanna und vom Vater den erfolgreichen Viehhandel übernommen.

Die älteste Tochter Greta war bereits 1928 in die USA ausgewandert. Tochter Erna floh nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1935 nach Palästina. Nach dem Verkauf des gesamten Anwesens an einen Mann aus Aachen flohen die Eltern mit ihren beiden Töchtern Irene und Betty Mitte August 1936 in die USA, wahrscheinlich zu ihrer ältesten Tochter. Leider – so die Stolperstein-Arbeitsgruppe – haben sich die Spuren der Familie dort verloren.

Wie die Stolperstein-Arbeitsgruppe herausfand, lebten die Hirschs nach dem Verkauf ihres Hauses noch eine Weile in dem Gebäude. Dass sie Büttelborn verlassen hat, sei nur deshalb aufgefallen, weil ein amtliches Schreiben mit dem Vermerk „Unbekannt verzogen“ zurück gekommen sei. Das Anwesen Mainzer Straße 1 wurde 1952 von der Gemeinde Büttelborn übernommen. 1966 schließlich riss die Raiffeisengenossenschaft das alte Haus ab und baute dort das moderne Gebäude, in dem sich seit 1968 die Filiale der Groß-Gerauer Volksbank befindet.

Bei der zweiten Stolpersteinverlegung in Büttelborn für die ebenfalls nach USA ausgewanderte Familie von Leopold Hirsch sei bekannt gewesen, dass die Familie von Sigmund Hirsch in die USA ausgewandert sei. Verwundert sei man allerdings darüber gewesen, dass sie keinen Kontakt gesucht habe.

Gedacht werden soll am 24. Juni den Angehörigen der Familie Hirsch, die nach Beginn der Nazi-Zeit am 31. Januar 1933 noch in Büttelborn lebten.

Zur Vorbereitung der Feierstunde suchen die Stolperstein-Arbeitsgruppe des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur und die Gemeinde Büttelborn noch Fotos und Informationen zu den einzelnen Mitgliedern der Familie von Sigmund Hirsch. Auch Fotos von dem Anwesen der Hirschs sind erwünscht.

Büttelborner Bürger, die die 1935 Verjagten ins Gedächtnis der Bevölkerung zurückholen wollen, können auch Patenschaften für die Stolpersteine übernehmen. Das kostet für einen Stein 120 Euro, für die der Stifter eine Spendenquittung erhält. Sowohl der Förderverein als auch die Gemeindeverwaltung geben dazu gern weitere Informationen.

Kontakt:

Ansprechpartnerin für die Stolperstein-Arbeitsgruppe ist

Elke Jurischka-Leimbach, Telefon 06152 58132.