Gunter Demnig

Mörfelden-Walldorf (ohl). Sie haben eine Kantenlänge von zehn Zentimetern, werden 15 Zentimeter tief im Boden versenkt und was man dann noch sieht ist ein Quadrat aus poliertem Messing, mit der Aufschrift: „Hier wohnte…“, dem Geburtsort und -datum sowie Ort und Datum des Todes. Das wussten alle, die am Sonntag zum Vortrag des Kölner Künstlers Gunter Demnig ins Walldorfer Rathaus gekommen waren, schon vorher über die „Stolpersteine gegen das Vergessen“. Doch wie es eigentlich zu dem Geschichts-Kunstwerk kam, dass inzwischen in vieltausendfacher Ausführung in ganz Deutschland, in Österreich, in Ungarn, in den Niederlanden und bald auch in Frankreich verlegt ist, das schilderte Demnig in seinem Dia-Vortrag im voll besetzten Sitzungssaal. Dass es sich bei ihm um einen politisch engagierten Künstler handelt, machte schon das Foto einer frühen Aktion des studierten Kunstpädagogen klar. An die Wand seines ersten Ateliers in Westberlin malte er 1971 eine US-Flagge, spiegelverkehrt und mit Totenköpfen statt Sternen. Er wurde verhaftet. Sein Strafverteidiger damals: Otto Schily.

Kunstwerke zur Bücherverbrennung und zu den Grundrechten folgten. Mit den Deportationen von Menschen durch die Nazis beschäftigte er sich in der Zeit vor den Stolpersteinen zum Beispiel indem er einen Modell-Parcours für eine Lok baute, die bei Borsig entworfen wurde. Sie sollte es der Reichsbahn ermöglichen 2000 statt 1000 Personen pro Zug zu deportieren. An seinem heutigen Wohnort Köln zog er 1990 eine von ihm so genannte „Spur der Erinnerung“. Mit Fassadenfarbe zeichnete er die Route der Deportation von 1000 Kölner Roma und Sinti nach, die am 1. Mai 1940 deportiert wurden. Auch die Stolpersteine seien nicht ausschließlich für jüdische Opfer, erzählte der Erfinder und alleinige Ausführende des Stolpersteine-Projekts. Es gebe bereits Steine für Menschen jeder verfolgten Minderheit, für Sinti und Roma, für Homosexuelle, für Zeugen Jehovas, für politisch Andersdenkende. „Die Stolpersteine sind für mich längst zu einer Art Lebenswerk geworden“, berichtete Demnig. Er werde wohl kaum noch einmal in nennenswertem Umfang etwas anderes machen, schließlich gebe es so viele Opfer und so viele Menschen, die sich für diese Opfer ein würdiges Erinnern wünschten.

DER ERFINDER und alleinige Durchführende des Kunstprojekts Stolpersteine: Gunter Demnig.                    (Foto: Heil)