Infoveranstaltung in der ehem. Synagoge

Form der Erinnerung, die sich weiter verbreitet

Stolpersteine – Auch in Riedstadt soll mit der Aktion begonnen werden – Infoabend

Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Riedstadt verlegt werden.

Termin

Über das Projekt Stolpersteine in Riedstadt informiert eine Veranstaltung am Donnerstag (4.). Beginn ist um 19.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge Erfelden, Neugasse 43.


RIEDSTADT.

Bei einem Pressegespräch kündigte Walter Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins „Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau“, an, dass voraussichtlich ab Februar 2014 die ersten Stolperstein-Exemplare in Wolfskehlen und Goddelau ihren Platz finden. Die mittlerweile europaweit bekannte Aktion des Künstlers Gunter Demnig ist zu einem Netzwerk geworden, in dem immer mehr Kommunen zehn Mal zehn Zentimeter große Messingsteine an jenen Stellen im Ort in den Gehweg einlassen, an denen Anfang des Jahres 1933 Juden lebten.

Ihr in den Stein eingeprägter Name soll an das Schicksal erinnern, das zahlreiche Menschen jüdischen Glaubens im Nationalsozialismus erleiden mussten. Die Ausweitung der Aktion auf verfolgte Sinti und Roma sowie behinderte Menschen, die dem Wahn der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, findet immer mehr Anklang.

Zu dem Thema soll es am Donnerstag (4.) in Erfelden eine Auftaktveranstaltung geben. „Um die Akzeptanz zu erhöhen, braucht es Informationen“, erklärte Ullrich, der auch die kritischen Meinungen kennt, die diese Form der Erinnerung als nicht geeignet empfinden. „Wir gehen zu den Hausbesitzern, vor deren Haus ein Stein verlegt werden soll, und sprechen mit ihnen.“ Bei der Infoveranstaltung würden weitere Interessierte gesucht, die mitmachen.

Die Möglichkeiten, sich an der Stolpersteinaktion zu beteiligen, sind vielfältig. Natürlich werden vor allem Paten für die Steine gesucht, die die Einmalkosten von 120 Euro je Messingstein tragen. Aber auch die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte oder das Wissen aus der eigenen Familie, in welchen Häusern Juden lebten, benötigt viele Helfer. „Das Projekt ist angelegt auf zwei bis drei Jahre. Wir fangen jetzt erst einmal in Wolfskehlen und Goddelau an“, betont der Pfarrer im Ruhestand.

Der Nationalsozialismus sei nach wie vor für viele ein sehr sperriges Thema. „Mit der Stolpersteinverlegung wird es mal wieder auf die Tagesordnung gehoben.“ Dass das teilweise zu einer Kontroverse über die Form der Erinnerung führt, findet Ullrich nicht schlimm. Immerhin werde darüber geredet. Ullrich sieht ein Problem darin, dass dieser dunkle Teil der deutschen Vergangenheit in der Geschichte von einigen Menschen immer noch ausgeblendet werde.

„Das ist ähnlich wie mit den psychisch Kranken, die sind auch noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Wenn er mit dem Thema anfange, höre er oft: „Lass doch die alten Sachen ruhen.“ Gleichzeitig würden viele Zeitungen mit kritischen Themen zum Nationalsozialismus gute Auflage machen. „Es ist ein Faszinosum und stößt gleichzeitig ab. Wir sind mit dem Thema noch lange nicht fertig.“

Dabei gehe der Nachwuchs genauso mit dem Thema um wie die Älteren. „Ich erlebe vielleicht, dass diese mehr Wissen haben.“ Aber bei Geschichte gehe es auch um Gefühle, Emotionen und es sei eben nicht nur eine Anhäufung von Jahreszahlen. Diesen Effekt erwartet Ullrich auch, wenn bei einigen Stolperstein-Verlegungen Nachfahren der im Nationalsozialismus verfolgten Juden anwesend sind. Dann kämen viele Außenstehende der Aktion noch näher – „und für die Nachkommen ist es oft ein Stück Wiedergutmachung und ein Zurückgeben von Würde“.

Stolpersteine wurden im Kreis Groß-Gerau bereits in Mörfelden-Walldorf, Büttelborn, Rüsselsheim, Groß-Gerau und Gernsheim verlegt. In Planung ist die Aktion auch in Stockstadt, Kelsterbach, Bischofsheim, Trebur und Nauheim.