Projektgruppe bereitet die Verlegung vor

Verwandte zur Zeremonie einladen

Stolpersteine – Projektgruppe bereitet die Verlegung der ersten zehn Würfel für Wolfskehlen und Goddelau vor

Die Mitglieder der Projektgruppe Stolpersteine trafen sich jetzt in der ehemaligen Synagoge Erfelden, um die Verlegung der ersten zehn Steine am 19. Februar vorzubereiten.
RIEDSTADT.

Es sind nur wenige Worte, doch dahinter tun sich Abgründe auf. Zum Beispiel Lina Lichtenstein. „Hier wohnte Lina Lichtenstein, geb. Lachenbruch. Geb. 1899. Deportiert 1942. Piaski. Ermordet.“ So soll es auf dem Stolperstein zu ihrem Gedenken zu lesen sein, der am 19. Februar vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort in der Ernst-Ludwig-Straße 8 in Wolfskehlen verlegt werden soll. Jetzt trafen sich die Mitglieder der Projektgruppe Stolpersteine in der ehemaligen Synagoge Erfelden, um die Verlegung der ersten zehn Stolpersteine in Riedstadt vorzubereiten.

„Wir müssen uns ganz dringend über die Texte verständigen, ich muss sie heute noch weiterleiten“, hatte Walter Ullrich zu Beginn verkündet. Einzelne Mitglieder der Projektgruppe hatten in den vergangenen Wochen in Archiven, Büchern und bei überlebenden Familienmitgliedern nach dem Schicksal der jüdischen Familien Lachenbruch/Lichtenstein aus Wolfskehlen und Schellenberg aus Goddelau geforscht. Nun brütet man gemeinsam über dem genauen Wortlaut der Inschrift für die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten auf den Betonsteinen, die der Kölner Künstler Gunther Demnig am 19. Februar verlegen wird.

Gestorben schon im DurchgangslagerVon Lina Lichtenstein weiß man, dass sie mit ihrem Mann Moritz und den beiden Söhnen Kurt und Herbert 1942 in das Ghetto Piaski in Polen deportiert wurde, berichtet Kay Linke, der sich mit Mutter Ursula intensiv mit der Familie beschäftigt hat. Piaski war eigentlich ein Durchgangslager in die Vernichtungs- und Arbeitslager, doch viele starben schon dort – vor allem an Hunger, Erschöpfung oder Krankheit. Moritz Lichtenstein wurde am 2. August 1942 im KZ Majdanek ermordet. Die Todesdaten der übrigen Familienmitglieder sind nicht bekannt. „Es gibt kein Datum. Die Nazis haben sich nicht die Mühe gemacht, das genau festzuhalten“, erklärt Ullrich, der als Vorsitzender des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau Stolpersteinverlegungen in mehreren Orten des Kreises organisiert. So wird auf den Steinen von Lina und ihren Söhnen Kurt (geboren 1929) und Herbert (geboren 1932) nur „ermordet“ unter „Piaski“ stehen.

Bedrückend auch, was Doris Rust über die Goddelauer Familie Schellenberg in Erfahrung gebracht hat: Leopold und Klara Schellenberg wohnten mit ihren Kindern Irma und Julius sowie Klaras Bruder Max Fuld in der Hospitalstraße 15 und hatten dort ein Lebensmittel- und Textilgeschäft, das 1933 boykottiert und verwüstet wurde. Sie wollten nach Kuba auswandern, blieben aber, weil Klaras Bruder Max krank war und kein Visum bekam. Nur die Kinder Irma und Julius flohen in die USA. 1941 wurden Leopold und Klara Schellenberg nach Lodz deportiert und ermordet, Max Fuld am 18.9.1942 in Theresienstadt. Doris Rust hat Kontakt zu einer Tochter von Julius in den USA. Diese würde gern mit zwei Neffen zu der Stolpersteinverlegung nach Riedstadt kommen, erzählt Rust.

Doch an dem Abend wird nicht nur der Text für die Steine besprochen. Es geht auch um den genauen Ablauf der Verlegungszeremonie. Beginn soll um 14.30 Uhr in der Sackgasse 13 in Wolfskehlen sein, wo früher die Synagoge war. Von dort wird es zu den Steinverlegungen in die Ernst-Ludwig-Straße und die Hospitalstraße nach Goddelau gehen.

Außerdem stellt Olaf Nagel einen Entwurf für einen Flyer zu der Aktion vor, der neben allgemeinen Informationen auch einen Einleger für die aktuellen Termine vorsieht. Denn die Verlegung der fünf Gedenksteine in Wolfskehlen und fünf in Goddelau im Februar soll nur der Auftakt in Riedstadt sein. Insgesamt werden in den nächsten Jahren knapp 130 Stolpersteine auf Bürgersteigen in den Stadtteilen verlegt. Als Erinnerung an die Menschen, die von den Nationalsozialisten aus ihren Wohnungen vertrieben und ermordet wurden.

Hintergrund:

Die Projektgruppe freut sich über weitere Mitstreiter und Menschen, die mit einer Spende oder der Übernahme der Kosten von 120 Euro für einen Stolperstein die Aktion unterstützten möchten. Nähere Informationen sind im Internet auf den Seiten des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau (www.fjgk.de und www.erinnerung.org) nachzulesen.